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Linksjugend ['solid] Teltow-Fläming
Logo der Linksjugend ['solid] Teltow-Fläming
Die Grafik zeigt in weiß auf rotem Grund das Logo der Linksjugend ['solid] Teltow-Fläming.

Svenja Lübbert, Linksjugend ['solid] Teltow-Fläming

Frauen und die rechte Szene

Immer mehr Frauen sind in rechtsextremen Organisationen aktiv. Sie nehmen Schlüsselrollen ein – auch damit die Szene vor allem harmloser erscheint.

Dass die rechtsextreme Szene eher als »männliche Domäne« gilt, ist, zumindest statistisch gesehen, nicht ganz falsch: Nur geschätzt zehn bis 30 Prozent der organisierten Mitglieder der Szene sind weiblich. Auf dem ersten Blick wirkt es so, dass sowohl in der politischen rechten Szene als auch bei zum Beispiel Neonaziaufmärschen die Männer dominieren. Beobachtet man das Ganze genauer, fällt auf, dass seit einigen Jahren vermehrt Frauen vorne bei rechten Aufständen mitlaufen, Reden halten, Parolen rufen und Flaggen schwingen.

Auch in der Politik geben Frauen auch rechts immer mehr den Ton an. Trotzdem gelten sie selten als bedrohlich. Ein Grund für diese Verharmlosung: Frauen werden bereits im gesamtgesellschaftlichen Diskurs als eher unpolitisch, passiv und friedliebend dargestellt. Die liebe Mutti von nebenan kann doch kein Nazi sein! Oder?

Im Rechtsextremismus wird dieses Narrativ noch verstärkt; man spricht von einer »doppelten Unsichtbarkeit«: Eine vermeintlich politisch nicht interessierte nette Frau, engagierte Mutter oder sympathische Nachbarin wird nicht mit menschenfeindlichen Meinungen und potenziell gewalttätigen Handlungen in Zusammenhang gebracht. Und wenn eine solche Frau bei einem Neonazi-Aufmarsch mitläuft oder Politik für die NPD macht, kann das Ganze ja nicht so schlimm sein – oder? Heidi Benneckenstein berichtet in ihrem Buch »Ein deutsches Mädchen – mein Leben in der Neonazifamilie«, wie es war, unter Neonazis aufzuwachsen und jahrelang fester Teil dieser Szene zu sein. Mit 19 Jahren schaffte sie den Ausstieg.

Das Bild, dass die harmlose Mutter mal bei Neonazi-Aufmärschen auftaucht, im Idealfall noch mit Kinderwagen und ihrem Wocheneinkauf, ist brandgefährlich. In dem im rechtsextremen Narrativ das Bild einer unpolitischen Frau reproduziert und bewusst gestärkt wird, wird die rechtsextreme Ideologie normalisiert.

Die Positionen, die Frauen innerhalb der Szene einnehmen, sind vielfältig. Das war nicht immer so: Während sie früher hauptsächlich in der Rolle als Mutter und Hausfrau Legitimation erfuhren, treten sie heute auch als politische Aktivistinnen auf. Sie sind fest in die Szene integriert, formieren sich in Frauenorganisationen wie dem »Ring Nationaler Frauen« oder der »Gemeinschaft deutscher Frauen«.

Geschätzt zehn Prozent der Gewalttaten im rechten Spektrum gehen von Frauen aus. Auch rechtsextreme Frauen seien fasziniert von Gewalt – ob sie sie nun selbst ausüben oder nur zuschauen, sagt Sozialpädagogin Petra Franetzki, die seit vielen Jahren auch Frauen berät, die aus der Szene aussteigen wollen. So gab es in der Vergangenheit schon mehrfach Frauen in den Reihen militanter Neonazi-Gruppen, wie zum Beispiel bei der »Wehrsportgruppe Hoffmann«. Bei der »Kameradschaft Süd«, die einen Sprengstoffanschlag auf ein jüdisches Zentrum in München geplant hatte, wurden gegen drei beteiligte junge Frauen Bewährungsstrafen verhängt. Das Gericht stellte fest, dass sie nur Mitläuferinnen gewesen seien. Esther Lehnert glaubt hingegen, dass hinter solchen Urteilen sexistische Motive stecken: »Frauen werden oft als sexuelles Anhängsel des Mannes abgetan. Dabei machen sie bei solchen Aktionen gerne und freiwillig mit.«

Das Bild von jungen Frauen in der rechten Szene

In der Szene würden viele junge Frauen als Sexobjekte angesehen und wie Trophäen herumgereicht, beschreibt Heidi Benneckenstein. Dass sich Frauen trotzdem rechtsextremen Gruppierungen anschließen, erklärt sich Esther Lehnert so: »Frauen engagieren sich nicht wegen des Frauenbildes, sondern trotz: Der Rassismus ist wichtiger als alles andere«. Die vermeintliche Höherwertigkeit gegenüber anderen Menschen, beispielsweise migrantischen Frauen oder Männern, ist für die Frauen bedeutender als der Sexismus. Für Esther Lehnert ist der seit 1990 steigende Frauenanteil in der rechtsextremen Szene ein Zeichen dafür, dass diese erstarkt. Denn eine rechtsextreme Frau, die in der Politik präsent ist, zieht wiederum weitere Frauen an. Das spiegelt sich auch bei Wahlen wider: Rund ein Drittel der Stimmen für rechtsextreme Parteien kommt von Frauen. Was rechte Einstellungen angeht, liegt die Quote sogar bei 50 Prozent – in der menschenfeindlichen, rassistischen und antisemitischen Gesinnung stehen Frauen Männern also um nichts nach.

Rechtsextreme Frauen sollen das »weiße Volk« erhalten

Zwar können Frauen innerhalb der rechtsextremen Szene heute Lokalpolitikerinnen, Liedermacherinnen oder Straßenkämpferinnen sein. Vorwiegend erwartet wird von ihnen aber weiterhin: als »völkische Mutter« das »weiße Volk« zu erhalten. »Sie übernehmen Rollen, die sie auch sonst häufig im sozialen Leben übernehmen: netzwerken, das soziale Miteinander stärken, Care-Arbeit«, sagt Esther Lehnert. Dazu gehört, dass sich viele gezielt im sozialen Bereich einbringen: Sie arbeiten als Erzieherinnen, Sozialarbeiterinnen oder engagieren sich in Elternbeiräten in Kitas oder Schulen. Damit nehmen sie auch Einfluss auf die Erziehung von Kindern, die nicht ihre eigenen sind. »Das kann eine bewusste Strategie sein, die nette Erzieherin oder die nette Sozialarbeiterin zu etablieren, um so rechtsextremes Gedankengut zu normalisieren«, gibt Lehnert zu bedenken. Heidi Benneckenstein bestätigt das: »Sie geben sich bürgernah, unterwandern die demokratische Alltagskultur und punkten mit weichen Themen wie der Zukunft unserer Kinder oder einem besseren Schulsystem, hinter denen sich oft ein nationalsozialistisches Weltbild versteckt.« Solche Frauen dienten der Szene als Bindeglied zur »bürgerlichen « Welt.